Von Morwell nach Corryong

Durch die Wahl der Unterkunft am gestrigen Abend bedingt waren wir etwas von der Route abgewichen und wählten als Anfahrt zur Great Alpine Road die direkte Verbindung über den Motorway zwei Stunden immer Richtung Osten bis Bairnsdale. Die Great Alpine Road war schon über 100 km im Voraus durch touristische Info-Schilder angekündigt. Wir hätten aber auch so die Richtung nicht vefehlen können. Auf der Gegenfahrbahn kamen uns Hunderte von Ostertagsurlaubern, gerne auch mit Sack und Pack, also geländegängigen Allradfahrzeug, gerne mit Frontschutzbügel, und ebenso geländegängigem Wohnwagen im Schlepptau, entgegen. Über dutzende Kilometer waren wir das einzige Fahrzeug, das wahrnehmbar Richtung Osten fährt. Hat schon mal jemand diese Katastrophenfilme gesehen, in denen alle in eine Richtung auf der Autobahn fahren. Ja, so ungefähr sah das aus.

Die Australier verbringen ihre Osterferien also wohl gerne in den Bergen. Gut für uns, wir hatten freie Fahrt. Ab Bairnsdale schlugen wir dann den Weg Richtung Norden ein auf der Great Alpine Road. Wer sich darunter nun alpines Hochgebirge wie in den Alpen vorstellt, liegt nur bedingt richtig. Wie meine Beifahrerin treffend bemerkte, es sieht ja schon etwas wie der Harz aus. Ja, kann man so stehen lassen, nur im Harz sind halt dank des Borkenkäfers weniger Bäume. Wir hatten nichtsdestotrotz oder gerade deshalb schöne Strecken mit vielen Kurven unter den Rädern. Um diesen Tag nicht so lange werden zu lassen, wie die beiden letzten hatten wir schon zur Mittagszeit eine Unterkunft ausgewählt, die wir gegen halb fünf erreichen sollten. Die Anfahrt machte auf dieser kurvenreichen und hügeligen Straße auch richtig Spaß, bis ich aus den Augenwinkeln ein Schild wahrnahm, Gravel Road, next 65 km. Im nächsten Moment waren wir schon auf der Schotterstraße. Da eine Umkehr mit der gebuchten Unterkunft im Hinterkopf nicht unbedingt sinnvoll gewesen wäre, also einfach mal weiter. Nach den ersten Kilometern wurde die Schotterstraße schnell etwas rauher und welliger und führte über einige Kehren und Kurven in höhere Lagen. Kein alpines Hochgebirge, wir hatten immer noch grünen Wald um uns herum. Dafür eine Schotterpiste, die durch die gelegentlichen Schauer und den wechselnden Untergrund einiges an Aufmerksamkeit forderte. Wann ist eigentlich das Alter erreicht, in dem einem die Kinder nicht mehr fragen, wie weit ist es noch?

Zwei Stunden, nachdem wir auf die naturnahe Straße eingefahren waren, erreichten wir dann wieder asphaltierten Untergrund und machten uns auf die letzte halbstündige Anfahrt zum Motel. Ein Wallabee(eine Art kleines Känguru), das unseren Weg kreuzte, konnte uns da auch nicht mehr aufhalten. Angekommen im Motel, schnell eine lange warme Dusche für meine Sozia und dann auf zum nächsten Restaurant. Mit einem großen Burger mit Pommes schloßen wir diesen Tag.