Montenegro meint es nicht gut mit mir, beziehungsweise das Wetter hier. Laut Wettervorhersage sollte das Tief Richtung Süden abziehen und wenn ich meiner Tour folge, würde es schnell trocken und wärmer werden. Also startete ich bei frischen Temperaturen und Regen in Rezaje. Schon zwei Täler weiter hörte der Regen auf, die Vorhersage schien zu stimmen. So ging es auf nasser Strasse weiter über Berane durch den Durmitor Nationalpark nach Mojkovac und Zabljak. Eine schöne Strecke, sowohl landschaftlich als auch vom Straßenverlauf. Rechts und links steile Felswände und die Straße hat kaum gerade Abschnitte. Schade, das es noch so nass ist. So fahre ich sehr verhalten, da ich den Haftreibwert meiner Reifen nicht an ihre Grenzen führen möchte.

 Nach Zabljac sollte es laut meiner Routenplanung rechts abgehen nach Pluzine. Der Straße folge ich nur ein paar hundert Meter und drehe dann aufgrund einer Sichtweite von weniger als 50 meter lieber wieder um. Die Wolken hängen hier wirklich richtig tief. Also folge ich der M18 bis nach Niksic, die Straße trocknet auch langsam ab und es wird wärmer, die Vorhersage hat recht. Hinter Niksic verpasse ich zuerst die Abzweigung in Richtung Kotor, kann das aber schnell korrigieren. So finde ich mich dann auf der R15 wieder. Auf der Karte sah das richtig schön kurvenreich und spannend aus. Kurvenreich ist die Straße auch, dazu noch links und rechts komplett zugewachsen, so das man jede einzelne Kurve mit Vorsicht angehen muss, falls auf einmal der Gegenverkehr vor einem steht. Denn die Straße ist so breit, das zwei entgegenkommende PKW fast auf Schritttempo herabbremsen müssen, um aneinander vorbei zu kommen. Daher beträgt meine Geschwindigkeit auch ständig ca. 40 - 50 km/h. Irgendwann frage ich mich, warum ich direkt auf eine tiefdunkelblaue Wolkenwand zu fahre. In der Richtung sollte doch die Sonne scheinen und die wärmste Region sein.

Die gesamt R15 ist wohl so ca. 70km lang. Als es nach 40 Kilometern anfängt zu regnen, denke ich, na toll, umdrehen ist jetzt auch blöd. Wäre eventuell eine Alternative gewesen. Die Schlammbäche, die über die Straße laufen, sind ja gar nicht so schlimm. Nur muss ich meine Geschwindigkeit weiter anpassen, damit ich dem Straßenverlauf folgen kann. Gut, das hier nicht so viel Verkehr ist. Für die restlichen 30 km benötige ich wohl noch eine gute Stunde. Zwischenzeitlich gibt es noch einen Stau mit drei Autos und meinem Motorrad, weil ein Bautrupp die abgesackte Strasse sichert. Keine Ahnung, wo die hergekommen sind.

Als ich dann nach einer gefühlten Ewigkeit und total durchgeregnet die letzte Kurve zur Passstraße bei Kotor nehme, immer noch bei leichtem Dauerregen, haut mich der Anblick der Bucht von Kotor doch etwas um. Wenn mich jemand fragen würde, hat es sich gelohnt dafür stundenlang durch den Regen zu fahren und sich durchregnen zu lassen, ich müsste tatsächlich überlegen. Ja, ich glaube, das war es wert. Wenn man von dieser Perspektive auf die Bucht von Kotor blickt, da zieht man schon den Hut, wie die Natur das so eingerichtet hat. Wie gemalt, nur das die vielen Wolken und der Regen etwas stört.

 Ich mache mich an die Abfahrt, die über eine schmale Straße, siehe oben, mit teilweise kleinen Steinmauern zur Begrenzung in Richtung Abgrund, die auch nochmal eine gute Stunde Zeit in Anspruch nimmt. Zu einem Stop habe ich jetzt allerdings auch keine Lust mehr, in Kotor scheint sehen und gesehen werden zu zählen. Und meine Laune ist nicht gerade auf dem Höhepunkt, geschweige denn meine Kleidung salonfähig. Meine Stiefel und Hose hat eine nette Schlammschicht von den ganzen Sturzbächen, die etwas vorher über die Strasse liefen. So umrunde ich einmal die Bucht von Kotor und mache mich auf den Weg Richtung aufgelockerter Bewölkung, also Richtung Norden. Meiner ursprünglichen Planung folgend geht es in Richtung Trebinje, wo ich auch kurz davor eine Unterkunft finde und dort versuche meine Kleidung halbwegs trocken zu bekommen.

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